
Nach der Herrschaft der Himyaren wurde das Land islamisiert und im 9. Jahrhundert entstand ein unabhängiger Staat (Imamat). Bis 1962 blieb das Imamat mit einigen Unterbrechungen selbständig, nur im Süden setzten sich die Briten bereits ab 1839 in Aden fest und machten das Gebiet zwischen Aden und Oman zu ihrem Protektorat. 1962 wurde der Imam (Herrscher des Jemen) von Offizieren unter Abdallah al-Sallal gestürzt und bald versank durch die Revolution die neue Arabische Republik Jemen im Bürgerkrieg.
Der Süden wurde 1967 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen und es folgte eine Phase sozialistischer Experimente, die zwar eine moderne Gesellschaft, aber eine marode Wirtschaft hinterließen. Nach dem Ende des Kalten Krieges, mit dem auch die Wirtschafts- und Finanzhilfen des Ostblocks wegfielen, suchte die Führung des Südjemens, in dem 1986 ein Bürgerkrieg geführt wurde, den Anschluss an den Norden. Erst am 22. Mai 1990 verständigten sich die islamischkonservativen Kräfte im Norden und die laizistischen (Forderung nach Freiheit des öffentl. Lebens von religiösen Bindungen) Kräfte im Süden darauf, das Land zur Republik Jemen zu vereinigen.
Der Golfkrieg von 1991 hatte schwerwiegende Folgen für die Republik: als Strafe für die pro-irakische Haltung wurden die Hilfszahlungen der Golfstaaten und der USA eingestellt und die jemenitischen Gastarbeiter unter Zurücklassung ihrer Spareinlagen ausgewiesen. Die Folge war eine hohe Arbeitslosigkeit und hohe Inflation.
Die nächste Krise ereignete sich Mitte der 90er Jahre, als die islamische Islah-Partei zur zweit stärksten Kraft im Parlament gewählt wurde. Ziele dieser Partei waren die Bekämpfung der Säkularisierung und die Einführung der Shari'a als Grundlage der Gesetzgebung. Die internen Machtkämpfe des politischen Systems lähmten die wirtschaftliche Entwicklung fast völlig, was dazu führte, dass die Inflation auf fast 50% kletterte und das Staatsdefizit unaufhörlich wuchs. Zu einer weiteren Erschütterung der Inneren Sicherheit führten Attentate auf den alten sozialistischen Politkader des Südens und kidnappende Stämme. Die nach der Wiedervereinigung ausgebliebene Integration der Streitkräfte der beiden Landesteile führte schließlich zur Katastrophe. Im Frühjahr 1994 kam es zu ersten Kämpfen zwischen verfeindeten Truppenverbänden, die im April eskalierten. Am 5. Mai 1994 wurde in Sana'a der Notstand ausgerufen und der Süden erklärte sich zur "Demokratischen Republik Südjemen". Anfang Juli löste sich der Konflikt, indem Aden eingenommen wurde und die Führung des Widerstand ins Ausland flüchtete. Es wurde später eine Amnestie erlassen, in deren Anschluss große Teile der aufständischen Truppen zurückkehrten.
Seitdem ist es relativ ruhig, wenn auch die Islah-Partei weiterhin die Islamisierung des Landes betreibt. Angesichts dieser Tendenzen und der unverminderten sozialen Probleme sind neue Konflikte aber nicht ausgeschlossen.
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Leute
Während die Geschichte des Jemens von uns nicht "live" erlebt wurde und deswegen auch nur aus versch. Quellen zusammengefasst wurden, ist nachfolgender Abschnitt aus unseren Beobachtungen und Erlebnissen hervorgegangen. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, denn von den 20 Mio. Einwohnern haben wir nur einen Bruchteil getroffen und von dem Land, das 1,5 mal grösser als Deutschland ist, auch nicht alles gesehen.
Wir sind mit den Bildern von radikal-fanatischen Muslime und bis an die Zähne bewaffneten "Gotteskriegern", die uns auf NTV oder CNN gezeigt wurden, im Kopf in den Jemen geflogen (vielleicht sogar mit der stillen Befürchtung Onkel-O - ihr wisst schon: der aus Afghanistan - in den Bergen über den Weg zu laufen). Aber die Realität sah anders aus: in den 5 Wochen haben wir außer den Muezzins, die 5 mal am Tag ihr Gebet zum Besten geben, und einem einzigen Bauern, der auf einem Feld gen Mekka betete, keinen religiösen Eifer erlebt. Wir haben wie gesagt auch nur die Hauptstadt Sana'a und Yarim näher erlebt, aber auch auf den Ausflügen durchs Land ist uns nichts aufgefallen.
Der missionarische Eifer läßt bei den Jemeniten mit Beendigung der Pubertät scheinbar nach, denn einigen jüngeren Dorfbewohnern in Zafar war es ein großes Anliegen uns den "richtigen" Weg zu zeigen. So haben wir z.B. gelernt, daß unser Sonnenbrand nicht durch die Höhe von 3000m ü.N.N. und 40 Grad Sonne, sondern durch Allah verursacht wurde. Diese Bekehrungen waren aber Einzelfälle und auch nicht für alle Kinder typisch. Lustige Geschichte am Rande: Bei unserem Besuch in Gibla, das wegen seiner Altstadt touristisch interessant ist, haben wir den Iman der Gemeinde getroffen. Erst durften wir ihn fotografieren, dann spendeten wir für die Gemeinde und er murmelte ständig etwas. Wir haben bis heute nicht heraus gefunden, ob wir konvertiert wurden oder verflucht. Wird sich erst herausstellen wenn wir Muslime im Himmel dienen müssen oder von euch Heiden bewirtet werden.
Ebenfalls zum Straßenbild gehören Männer und Jungen, die mit Sturmgewehren (meist AK-47 "Kalaschnikow" aber auch deutlich älteren Karabinern) bewaffnet sind. Auf dem Bild oben rechts ist zum Beispiel eine Wache vor einem Haus in Sana'a (streng verboten militärische Einrichtungen oder Personal zu fotografieren, also nicht nachmachen) zu sehen. Auch wenn er vom Militär abgestellt worden ist, sind es keineswegs nur die Botschaften, Ministerien, o.ä., die bewacht werden. Auch Gebäude, in denen ausländische Institutionen (z. B. das Deutsche bzw. Amerikanische Archäologische Institut) geniessen diese Vorsichtsmaßnahme. Ob der Schutz nötig und gerechtfertigt war wissen wir nicht, es kam uns nur so vor, als ob es eine arabische Erfindung war die Ausgaben für das Militär zu reduzieren. Die Wachen wurden nämlich auch von den betreffenden Institutionen bezahlt. Wie auch immer - es produziert ein Gefühl der Sicherheit, auch wenn es meist (k)alte Krieger mit noch älteren Gewehren sind, die einen bewachen.
Während Gewehre allgegenwärtig sind, gibt es (zumindest keine sichtbaren) Frauen im Alltag zu sehen. Frauen gehen nur gesenkten Blickes und verschleiert auf die Straße. Der Unterschied zwischen der konservativen und der liberaleren Damenmode besteht darin, daß bei der freizügigeren Variante ein Sehschlitz die Augen unverhüllt läßt, während die konservativere Tragweise eine Art Gaze aus dunklem Stoff vor den Augen vorsieht. Man kann auch seine mitteleuropäischen Manieren vergessen, daß man Menschen auf der Straße grüßt: während man bei Männern meist ein paar nette Worte erntet, schauen die Frauen einen an als ob man einen unsittlichen Antrag gestellt habe (was es in deren Augen wahrscheinlich auch ist) und gehen wortlos vorbei.
Zu eventuellen Sicherheitsbedenken ist zu sagen, daß wir uns im Jemen zu keiner Zeit ähnlich bedroht gefühlt haben, wie z.B. auf dem Frankfurter Hauptbahnhof nach Einbruch der Dunkelheit. Die Jemeniten sind freundlich und erstaunlich offen gegenüber Fremden. Man wird zwar als Gesprächsaufhänger meist gefragt, ob man Amerika mag oder nicht (alles in radebrechendem Englisch), aber die Antwort geht meist in den mangelnden Sprachkenntnissen unter. Deutschland generell und Österreich (viele Jemeniten glauben, daß beide Staaten noch zusammen gehören, aber dieser Irrglaube ist bei US-Amerikaner auch verbreitet) sind 'gute' Staaten, wie wir immer wieder gehört haben. Wir haben dann später rausgefunden, daß man noch dem Glauben unterliegt, in Deutschland wären Judenprogrome an der Tagesordnung und das Dritte Reich noch aktuell. Die Sympathie gegenüber diesem System resultiert aus der Abneigung gegenüber den Israelis (mit israelischem Visum im Pass wird die Einreise verweigert). Die Liebe zu Deutschland ist aber nicht exklusiv: wenn man sich als Franzose ausgibt erntet man ähnliche Lobeshymnen auf die 'grand nation'.